Die Zeit, aus der die Organisationsform, die heute bei sehr vielen Unternehmen noch verbreitet ist, ist lange vorbei. Vor etwa 100 Jahren entstanden die strengen, hierarchischen Strukturen, die so stabil (und auch erfolgreich) waren, dass sie sich heute selbst überlebt haben. Das Prinzip lautete: An der Spitze eines Unternehmens steht eine Führungskraft, die über die Geschicke aller Mitarbeiter entscheidet. Da eine Führungskraft nicht alles machen kann, führte dies zur Wiederholung dieses Prinzips, so dass in kleineren Einheiten immer ein Vorgesetzter eine kleinere Anzahl an Mitarbeitern führt.

Ich denke es gibt zwei Hauptgründe, warum diese Form der Organisation von Arbeit nicht mehr zeitgemäß ist: Erstens sind die Menschen in einem sehr viel höherem Maße gebildet, so dass ihnen nicht alles vorgegeben und “befohlen”  werden muss. Zweitens gibt uns die Digitalisierung Tools an die Hand, mit denen wir unseren Alltag völlig neu und besser strukturieren können. Das betrifft insbesondere den Arbeitsalltag. Der Inbegriff dieser neuen Form, Arbeit zu strukturieren und Arbeit zu denken heißt “Holacracy”.

“#Arbeit im 21. Jahrhundert #digital zu denken heißt: mehr #Selbstorganisation und weniger #Hierarchie.“

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Arbeit, Social Media und die Demokratie

Holagracy als Organisationsform bedeutet in einem Wort: Partizipation. Jeder Mensch, beziehungsweise jeder Mitarbeiter, soll die gleiche Möglichkeit haben sich mit seinen Ideen und Fähigkeiten im Unternehmen einzubringen. Wer die Leitlinien von Holacracy liest, muss unweigerlich an das soziale Netzwerk Google+ denken. Menschen sind in “Kreisen” zusammengeschlossen und mit anderen Kreisen verbunden. Der Kreis ist das Gegensymbol zur früheren, hierarchischen Organisationsform, die meist durch ein Dreieck symbolisiert wurde.

Die Social Media spielen meiner Meinung nach eine entscheidende Rolle, bei dem Weg zu mehr Beteiligung und einer Neuorganisation der gesamten Ökonomie. Auch wenn das 21. Jahrhundert noch vergleichsweise jung ist, bin ich überzeugt, dass die Gründung von Facebook eines der wichtigsten Ereignisse des 21. Jahrhunderts ist. Mit dem Siegeszug der Social Media revolutionierte sich unser Alltag. Mit den sozialen Netzwerken bekamen wir ein machtvolles Tool an die Hand, das die Idee der Demokratie lebendig werden lässt. Jeder hat hier die gleiche Möglichkeit seine Stimme zu erheben und sich mit Menschen, die ähnliche Ziele haben, zu vernetzen. Diese Prinzipien lassen sich auch auf die Arbeit anwenden und verändern diese grundlegend.

Ted-Talk von Ricardo Semler, der sein eigenes Unternehmen demokratisch organisiert.

 

Das Wesen der Digitalisierung als Organisationsprinzip

Den Wert dieser einfachen Funktionsweise haben viele Unternehmen noch nicht erkannt. Viele versuchen heute, den neuen Herausforderungen zu begegnen, indem sie ihre Abteilungen um- oder neu strukturieren. Das bedeutet nichts anderes, als die Neuauflage der alten Strukturen. Was wir angesichts der Digitalisierung brauchen, ist ein neues Denken. Wir müssen uns die Frage stellen “Wie bringen wir Menschen dazu, zusammenzuarbeiten und was brauchen sie dazu?” Abteilungen sind dazu nicht nur nicht notwendig, sie behindern manchmal sogar Zusammenarbeit mehr, als dass sie sie fördert. Abteilungen stellen Grenzen und Zwänge dar.

Was viele Unternehmen übersehen: Die Digitalisierung stellt nicht nur eine Herausforderung dar. Sie liefert selbst alles was benötigt wird, um diese Herausforderungen zu bewältigen: soziale Netzwerke sowie digitale Kommunikations- und Arbeitstools, die den Austausch und die Zusammenarbeit ermöglichen und fördern. Die Vernetzung ist eines der Wesensmerkmale der Digitalisierung. Das Prinzip des Netzwerks gilt es in den Arbeitsalltag zu integrieren. Im Fall von Holacracy gehört dazu eine Portion Mut. Holacracy ist kein Standardprozess. Jeder Kreis verhandelt und entscheidet selbst, wie Verantwortungen und Befugnisse verteilt werden. Noch bevor diese Form der Organisation unter dem Schlagwort “Holacracy” diskutiert wurde, gab es bereits ein Unternehmen, das sehr erfolgreich den Versuch startete, seine Mitarbeiter selbstbestimmt mitentscheiden zu lassen: Die Firma Gore-Tex.

Mentalitätswandel und die Frage nach dem Übergang

Für uns Menschen scheint es einfacher zu sein, eine Sache auf die gleiche Art immer weiterzumachen, als innezuhalten und neu anzufangen. Eine der größten Herausforderungen, mit denen sich Unternehmen und Arbeitnehmer entsprechend in gleichem Maße konfrontiert sehen, ist der Mentalitätswandel. Tief in unseren Köpfen hat sich die Vorstellung eingebrannt, dass Arbeit etwas ist, bei dem einem gesagt wird, was man zu tun hat. Jeder hat seinen kleinen Bereich, für den er verantwortlich ist und in dem er seine Aufgaben zu erfüllen hat. Dieses Denken ist nicht zukunftsfähig und entspricht nicht mehr unserem eigenen Selbstverständnis.

Solange wir jung sind, in die Schule gehen und lernen, träumen wir davon, uns selbst zu verwirklichen und selbstbestimmt zu leben. Warum geben viele von uns bereitwillig diesen Traum auf, sobald sie in das Arbeitsleben eintreten? Spätestens seit das digitale Zeitalter angebrochen ist, muss das nicht mehr so sein. Innovationskraft und Kreativität sind immer öfter die entscheidenden Erwartungen, die Arbeitgeber an ihre Mitarbeitern stellen und neue Produkte somit auf den Markt kommen. Antje Neubauer sagte mal dazu: „Es ist sehr entscheidend, die Kunden genau so zu erreichen, dass sie wissen: ‚Dieses Produkt ist für mich“. Das ist ein wichtiger Gedankengang. Denn Kreativität lässt sich aber nicht in einem hierarchischen System befehlen, sondern entsteht dann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Holacracy ist eine dieser Möglichkeiten, um die Rahmenbedingungen an die Anforderungen anzupassen.

“Warum geben wir den Traum von #Selbstverwirklichung auf, sobald wir zu #arbeiten beginnen? #NewWork #Holacracy“

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Die neue Generation und New Work in Unternehmen

Heute erleben wir erstmals in der Geschichte der Menschheit eine Situation, in der die ältere Generation etwas von der jüngeren Generation lernen kann. Viele junge Menschen sind im Umgang mit den neuen Technologien viel besser als ältere. Eine weitere Einsicht, die für die Generation Y zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist: Intrinsische Motivation ist wichtiger als äußere Anreize. Die junge Generation hat ebenfalls bereits begriffen, dass eine Person allein in einer komplexen, vernetzten Welt nichts mehr ausrichten kann. Der Mythos vom einzelnen, genialen Genie, der alles entscheidet und dem alle folgen, bröckelt. Um komplexe Aufgaben zu lösen, brauchen Unternehmen eine komplexe Struktur – eben die des Netzwerks.

Lange Zeit lautete die Antwort von Unternehmen auf den Wettbewerb, immer billiger zu produzieren. Damit wird in Zukunft der Wettbewerb nicht mehr entschieden werden. In Zukunft wird es entscheidend sein, Innovationen und kreative Lösungen hervorzubringen. New Work ist die Antwort auf diese Herausforderung, weil sie Selbstbestimmung und Kreativität fördert.

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Kommentare zu "New Work zwischen Selbstorganisation und Holacracy."