New Work und die neuen Arbeitsräume.

Was uns die Deutschland-Zentrale von Microsoft und das neue Office Building von LinkedIn über die Arbeit der Zukunft sagen.

New Work und die neuen Arbeitsräume.

Arbeitswelten 4.0, Networking
New Work und die neuen Arbeitsräume | © Mooshny @ Shutterstock

Microsoft hat seine Deutschland-Zentrale in München-Schwabing eröffnet. Das erklärte Ziel des Software-Konzerns: „Microsoft realisiert dort seine Vorstellung vom Arbeiten 4.0 im Sinne des Smart Workspace.“ Microsoft ist nicht das erste digitale Unternehmen, das seine Vorstellungen von New Work in die Sprache der Architektur übersetzt. Neue Arbeitsräume entstehen in allen Hotspots der modernen Arbeitswelt: Der Blick auf die Headquarter von Apple und Facebook liefert den Inbegriff der Ideen der zukünftigen Arbeitswelt des jeweiligen Unternehmens. Für mich ist das Spannende und Markante an der Münchner Microsoft-Zentrale das Offene. Angefangen bei den offenen Meetingräumen, über die großen Glasfronten, die überall eine helle, offene Atmosphäre schaffen, bis hin zu den Dachterrassen und den offenen Innenhöfen.

Das traditionelle Büro gehört hier ebenso der Vergangenheit an wie die damit verbundene Vorstellung von Arbeit: Eine Person sitzt alleine in einem Büro am Schreibtisch und erfüllt von 9 bis 17 Uhr ihre Pflichtaufgaben. Mit der offenen Architektur erfolgt gleichzeitig ein Wechsel vom Einzelkämpfer hin zum Team-Mitglied. Bei Microsoft in München hat niemand mehr einen fest zugewiesenen Arbeitsplatz, an den er jeden Tag zurückkehrt. Jeder arbeitet dort, wo er gerne möchte und kann sich je nach Aufgabenstellung dafür passende Orte aussuchen. Für Tätigkeiten, die eine größere Reaktion erfordern, gibt es ungestörte Bereiche, in die man sich zurückziehen kann. Andere Bereiche eignen sich besser für die Teamarbeit. Die Kollegen finden einander einfach über die Ortungs-App „Find-Me“.

© By patrickschuchardt @ Microsoft

© By patrickschuchardt @ Microsoft

Das Netzwerk steht hinter der Idee der Offenheit

Die offenen Räume und deren Ausstattung, die zum Kommunizieren, Austauschen und Zusammenarbeiten einladen, folgen meiner Meinung nach einer grundlegenden Idee von New Work: Dem Netzwerk. Die neue Arbeitswelt lebt davon, dass Menschen miteinander diskutieren, sich zusammen in Teams organisieren und gemeinsam Projekte realisieren. Die Offenheit des Arbeitsumfeldes führt auch dazu, dass sich Menschen begegnen, die vielleicht unter anderen Umständen nicht aufeinandergetroffen wären, weil die Hierarchien auch ihren Ausdruck in der Architektur finden. Die sprichwörtliche Chefetage liegt in den meisten Bürogebäuden weiter oben als die anderen Büros.

Insbesondere diese Möglichkeit, dass sich ungewöhnlich zusammengesetzte Teams dynamisch vernetzen können, ist das Entscheidende. Intelligente Netzwerke sind, wie der 2005 verstorbene Psychologe und Denker Prof. Dr. Peter Kruse sagte, umso kreativer, leistungsfähiger und innovativer je heterogener sie zusammengesetzt sind. Allein weil unser gesellschaftliches Zusammenleben immer komplexer wird, ist es unwahrscheinlich, dass die Lösungen dafür in einfachen Strukturen bestehen soll.

„#Netzwerke müssen die Komplexität des Lebens abbilden. Dafür brauchen wir neue #Arbeitswelten. #NewWork“

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Einer der vielen inspirierenden Vorträge von Peter Kruse über das Thema „Führung und die neue Arbeitswelt“

Die Vorreiter von New Work: Technologie-Konzerne und Social-Media-Unternehmen

Ich halte es für keinen Zufall, dass es gerade die Technologie-Konzerne wie Apple und Microsoft und die Social-Media-Unternehmen wie Facebook und LinkedIn sind, die auch im Bezug auf die neue Arbeitswelt die Vorreiterrolle einnehmen. Um noch einmal auf Peter Kruse zu kommen, der auch einer der Visionäre des digitalen Zeitalters war, geht es in Zukunft nicht nur darum Menschen zu intelligenten Netzwerken zusammenzubringen. Das eigentliche Ziel ist es, ein neues Ökosystem zu schaffen, in dem Menschen neue Technologien nutzen, um gemeinsam an der Lösung unserer Probleme und Aufgabenstellungen zu arbeiten.

Das Atrium der Microsoft Deutschland-Zentrale in München-Schwabing.

Das Atrium der Microsoft Deutschland-Zentrale in München-Schwabing.

In welchem Verhältnis stehen Leben und Arbeit in Zukunft zueinander?

Ich habe mich mit Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft Deutschland, über die neue Deutschland-Zentrale von Microsoft unterhalten, in der sie seit einigen Wochen arbeitet. Ich wollte wissen, wie es ist, dort zu arbeiten und wie sich das neue Arbeitskonzept in der Praxis macht. „Bei Microsoft gibt es die Vertrauensarbeitszeit und den Vertrauensarbeitsort. Jeder Mitarbeiter kann arbeiten wann und wo er will. Ich gehe aber trotzdem total gern in das neue Büro.“ Und das Konzept geht auf: „Jeder kann im Prinzip überall sitzen. Dadurch vermischt es sich viel mehr und durch die offenen hellen Räume sieht man sofort, wer da ist. So ergeben sich viel öfter – auch ungeplant – Gespräche.“

Das Konzept der Deutschland-Zentrale stammt nicht ausschließlich von Microsoft, sondern wurde gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut erarbeitet, also unabhängigen Experten. „Das gesamte Erdgeschoss ist öffentlich. Dort gibt es zum Beispiel, ähnlich wie in Berlin, eine Digital Eatery, wo man sowohl Geräte testen und ausprobieren kann, aber auch als freier Mitarbeiter einen Raum zum Arbeiten findet.“ Microsoft nennt das neue Arbeiten auch den „Work-Life-Flow“: „Beim Work-Life-Flow geht es nicht mehr darum, dass Leben und Arbeit nebeneinander stehen und in eine Balance gebracht werden müssen. Leben und Arbeit gehen vielmehr ineinander über. An einem schönen Tag kann ich auch mal das Wetter genießen oder die Schulaufführung meines Sohnes am Nachmittag wahrnehmen.“

Die offene Atmosphäre schafft in der Microsoft Deutschland-Zentrale Raum zur Begegnung.

Die offene Atmosphäre schafft in der Microsoft Deutschland-Zentrale Raum zur Begegnung.

Die Arbeit als Spiel

Im Gegensatz dazu scheint sich LinkedIn folgenden berühmten Satz von Friedrich Schiller sehr zu Herzen genommen zu haben: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Auch wenn die Architektur des neuen LinkedIn Office Buildings in San Francisco von außen betrachtet noch ganz klassisch wie ein Bürogebäude aussieht, geht es im Inneren äußerst verspielt zu. Überall finden sich Gelegenheiten, die zum Spielen einladen, auf Computerspiele verweisen oder zu Gedankenspielen herausfordern. Hier geht es aber nicht bloß um Spaß neben der Arbeit.

„#LinkedIn macht aus der #Arbeit ein #Spiel. Es geht aber um mehr als bloß Spaß bei der Arbeit.“

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Der spielerische Umgang mit Arbeit und das Spielen neben der Arbeit fördert die Kreativität – manchmal kommt einem die entscheidende Idee, wenn das Gehirn und unsere Aufmerksamkeit mit etwas ganz anderem beschäftigt ist. Und auch wenn es bei Spielen letztlich um nichts geht, so handelt es sich doch um zielgerichtete Prozesse, bei denen es darum geht zu gewinnen. Gute Spieler sind gute Strategen und genau das zählt auch im Geschäftsleben. Nicht ohne Grund zählen die spieltheoretischen Ansätze zu den erfolgreichsten Theorien in den Wirtschaftswissenschaften.

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

© Tony Chung, LinkedIn

    Neue Arbeitsräume: Die Labore der zukünftigen Arbeitswelt

    Ob in München, Palo Alto oder San Francisco: Überall entstehen derzeit die Labore, in denen die neuen Arbeitswelten erprobt werden. Sie suchen nach den geeigneten Konzepten wie Arbeit im digitalen Zeitalter aussehen wird. Den führenden Konzernen geht es allerdings noch um mehr. Sie haben verstanden, dass es in Zukunft darauf ankommen wird, als Arbeitgeber so interessant wie möglich für die jungen Talente zu sein. Zu Arbeiten bedeutet schon heute in vielen Fällen nicht mehr, eine Tätigkeit auszuführen, die man vom Vorgesetzten aufgetragen bekommen hat. Es wird immer stärker darum gehen, seine eigenen Ideen einzubringen, kreativ zu sein, Verantwortung für seine eigene Karriere und für das Wohlergehen des Unternehmens zu übernehmen. Diejenigen, die diese Balance in Zukunft am besten beherrschen, werden sich aussuchen können, für wen sie arbeiten. Unternehmen, die sich schon heute auf die Transformation der Arbeitswelt einlassen, werden dann die besten Chancen haben, für die Wissensarbeiter, Ideengeber und Innovationstreiber attraktiv zu sein.

    Das Bürogebäude ist nur noch ein Teil des Arbeitsraums der Zukunft.

    Das Bürogebäude ist nur noch ein Teil des Arbeitsraums der Zukunft.

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